Erfahrungsbericht: Ergonomische Tastatur mit ergonomischem Layout

Im Juni des Jahres 2013 habe ich meine Tastatur und mein Tastaturlayout umgestellt. Dies hatte zweierlei Gründe: Einerseits wollte ich endlich 10-Finger-Tippen lernen und andererseits erfuhr ich gelegentlich Sehnenreizungen und Nackenverspannungen nach der Büroarbeit. Grund genug, sich einmal eingehend mit ergonomischen Konzepten zu befassen. Inzwischen blicke ich zum Zeitpunkt dieses Artikels auf fünfeinhalb Jahre mit einem ergonomischen Tastaturlayout zurück. Die Effizienz meiner Eingaben konnte ich steigern und mit gereizten Sehnen hatte ich keine Probleme mehr. Aus dem Grund möchte ich meine Erkenntnisse gerne weitergeben.

Es ist im folgenden Artikel wichtig auseinander zu halten, dass ich die Tastatur als auch das Tastaturlayout umgestellt habe. Das sind zwei voneinander unabhängige Maßnahmen. Die unten vorgestellte ergonomische Tastatur erfordert nicht zwingend ein besonderes Layout und umgekehrt kann das vorgestellte ergonomische Tastaturlayout auch mit jeder Standardtastatur verwendet werden. Für mich haben aber besonders beide Maßnahmen in Kombination einen erheblichen Gewinn gebracht.

Beginnen wir zuerst mit dem Tastaturlayout. Mit Layout ist gemeint, welche Buchstaben auf welchen Tasten platziert sind.

Qwertz ist doof

In Deutschland ist das Qwertz-Layout sehr verbreitet. Der Name leitet sich von den ersten Buchstaben in der oberen Buchstabenreihe ab.

Wenn man sich eine Qwertz-Tastatur wie im nachfolgenden Bild einmal genau ansieht, fallen hinsichtlich der Anordnung der Buchstaben mehrere Aspekte auf, die auf ein ineffizientes Layout hindeuten. Dies wurde mit Studien belegt.

  • In der Grundreihe – das ist beim 10-Finger-Tippen die mittlere Buchstabenreihe zwischen ‚A‘ und ‚Ä‘ – sind außer ‚A‘ und ‚S‘ keine besonders häufig benötigten Buchstaben enthalten.
  • Bei durchschnittlichen Texten wird die linke Hand mehr belastet als die rechte Hand.
  • Die Hände werden auf den äußeren Seiten, also bei den schwächeren Fingern, mehr belastet als innen bei den starken Fingern.
  • Häufige Buchstaben liegen weit verteilt auf der Tastatur.
  • Bi- und Trigramme, d.h. oft benötigte Buchstabenabfolgen aus zwei und drei Buchstaben, werden häufig von derselben Hand oder gar demselben Finger getippt, was langsamer geht als ein möglichst ständiger Wechsel der Hände.

Eine dieser Studien hat eine Art Wärmebild hervorgebracht, mit dem die Häufigkeit der Buchstabennutzung je Taste angezeigt wird. Zwar zeigt das Bild das amerikanische Qwerty-Layout an und die Studie stützt sich sicherlich auf englische Texte, aber die Häufigkeitsverteilung von Buchstaben in Texten unterscheidet sich zwischen der deutschen und englischen Sprache nicht erheblich. Qwerty und Qwertz sind ebenfalls fast identisch. Ein entsprechendes Bild für Qwertz habe ich nicht vorliegen, aber es würde sehr ähnlich aussehen.


Bildquelle: http://xahlee.info

Es gibt verschiedene Spekulationen, warum das Standardtastaturlayout so ineffizient ist. Da sich das Qwerty-Layout bereits in frühen Zeiten der Schreibmaschinen etablierte, wird davon ausgegangen, dass die besonders häufig benötigten Buchstaben außen um die Grundreihe der Tastatur herum verteilt wurden, um möglichst ein Verklemmen der Typenhebel zu vermeiden. Werden zwei benachbarte Tasten auf einer Schreibmaschine in schneller Abfolge betätigt, kann der schlagende Stempel mit dem zurückfallenden Stempel der vorherigen Taste kollidieren und verklemmen. Im Foto habe ich das bei einer Schreibmaschine einmal provoziert.


Es ist kaum vorstellbar, dass moderne Computer auf einem Tastaturlayout von 1868 beruhen, obwohl alle Welt von Ergonomie redet und Sehnenscheidenentzündungen weit verbreitet sind.

NEO ergonomisch optimiert

Neo ist eines von vielen alternativen Tastaturlayouts. Weil ich ohnehin das 10-Finger-Tippen lernen musste, war ich im Grunde frei, welches Tastaturlayout ich zugrunde legen wollte. So habe ich mir vorher etwas Zeit genommen und mehrere Layouts miteinander verglichen. Ich habe mich schließlich für Neo entschieden. Vorab: Neo lebt derzeit in einer Version 2. Ich beziehe mich hier immer auf diesen Stand, sowohl mit „Neo“ als auch „Neo2“.

Folgende Gründe sprechen für Neo:

  • Neo berücksichtigt Erfahrungen anderer Alternativlayouts, z.B. dem Dvorak-Layout aus den 1930er Jahren, basiert aber auch auf maschinellen Auswertungen von Texten und Buchstabenhäufigkeiten und -abfolgen.
  • Neo ist speziell für die deutsche Sprache optimiert.
  • Die häufigsten Buchstaben liegen auf der Grundreihe. Bei Neo deckt die Grundreihe 63% aller Buchstaben eines durchschnittlichen Textes ab, während es bei Qwertz nur etwa 25% sind. Alleine mit der Grundreihe können bei Neo etwa 3600 deutsche Wörter geschrieben werden, bei Qwertz sind es nur 75. Die Hände bleiben viel ruhiger, weil deutlich seltener zu entfernten Buchstaben gesprungen werden muss.
  • Die häufigsten Buchstaben liegen unter den stärksten Fingern.
  • Die linke Hand hat die Vokale auf der Grundreihe, während rechts die häufigsten Konsonanten auf der Grundreihe liegen. So ergibt sich ein häufiger Wechsel zwischen beiden Händen, was einen flüssigen Lauf begünstigt.
  • Bi- und Trigramme können effizient getippt werden.
  • Die Tippfolgen häufiger Wörter sind auf kurze Wege optimiert.

Und so sieht das „Wärmebild“ aus. Die Effizienz ist sichtbar erhöht.


Bildquelle: https://de.wikipedia.org

Neo bietet weitere Vorteile:

  • Keine AltGr-Verrenkungen mehr, weil alle Sonderzeichen im Buchstabenfeld untergebracht sind. Das zeige ich gleich.
  • Viele Zeichen vom Programmieren, aus der Mathematik und Wissenschaft können direkt eingegeben werden.
  • Auch ein Nummernblock und die meisten Steuertasten befinden sich im Haupttastenfeld.
  • Auch gängige Tastenkombinationen wurden berücksichtigt, wie z.B. Ctrl+X, +C und +V, die weiterhin einhändig mit der linken Hand gegriffen werden können.

Das Neo-Layout bietet sechs Ebenen an. Man muss aber nicht gleich alle Ebenen auswendig lernen.
Die erste Ebene enthält die Kleinbuchstaben und die zweite Ebene die Großbuchstaben. Soweit kennt ihr das auch vom Qwertz-Layout.

Ebene 1:

Die Farben kennzeichnen lediglich, welcher Finger für die Tasten zuständig ist.

  • blau: Zeigefinger
  • grün: Mittelfinger
  • rot: Ringfinger
  • orange: kleiner Finger


Bildquelle: http://neo-layout.org

Ebene 2:

Auf dieser Ebene befinden sich die Großbuchstaben, aber u.a. auch Währungszeichen. Neo unterstützt zudem das große Eszett, welches seit 2008 Bestandteil des Unicode und seit 2017 Bestandteil der deutschen Rechtschreibung ist.


Bildquelle: http://neo-layout.org

Ebene 3:

Auf der dritten Ebene sind die meisten Sonderzeichen untergebracht. Sie sind zudem recht systematisch angeordnet, z.B. achte man auf die Klammerpärchen. Die Ebene ist schnell gelernt und ich kann Quellcode mit Neo definitiv schneller eingeben und zwar ohne Verrenkungen mit der AltGr-Taste. Besonders erwähnenswert ist die Compose-Taste (mit dem Notensymbol, auf der Tab-Taste), mit der Zeichen eingegeben werden können, die nicht auf der Neo-Tastatur vorkommen. Hierbei werden mehrere Tasten nacheinander getippt, und im Prinzip übereinandergelegt, um ein neues Zeichen zu erzeugen. Möchte ich z.B. das französische Cedille ‚ç‘ eingeben, drücke ich die Compose-Taste und tippe dann ein ‚c‘ und ein Komma, weil beides übereinandergelegt wie ein Cedille-Zeichen aussieht. Oder ich drücke Compose, dann ein ‚+‘ und ein ‚-‚ und erhalte ein ‚±‘-Zeichen. Es gibt Tabellen, was man auf diese Weise alles eingeben kann, aber es ist meist recht intuitiv.


Bildquelle: http://neo-layout.org

Die vierte Ebene enthält links Steuertasten (u.a. Cursortasten, Bild auf/ab, Pos1, Ende, Esc, Backspace, Del, Enter, …) und rechts einen Nummernblock mit Rechenoperatoren.


Bildquelle: http://neo-layout.org

In der fünften Ebene sind griechische Kleinbuchstaben untergebracht. Man muss diese Ebene nicht auswendig lernen, denn die Buchstaben liegen genau über den zugehörigen lateinischen Buchstaben der ersten Ebene. Wo auf Ebene 1 das ‚a‘ ist, ist hier das Alpha ‚α‘, bei ‚b‘ das Beta ‚β‘, usw.. Hier finden sich aber auch das geschützte Leerzeichen und der geschützte Bindestrich, die ich in Dokumenten häufig brauche.


Bildquelle: http://neo-layout.org

Auf der sechsten Ebene schließlich sind die griechischen Großbuchstaben hinterlegt. Als Elektrotechniker benötige ich gelegentlich u.a. Ω, ∂, Δ und √.


Bildquelle: http://neo-layout.org

Die Einrichtung von Neo ist grundsätzlich einfach. Das Neo-Layout kann unter Windows mit einem Treiber nachgerüstet werden. Es gibt dazu sowohl einen Treiber mit Installation, als auch einen portablen Treiber, der ohne Installation z.B. von einem USB-Stick gestartet werden kann.

Auf meinem privaten Rechner läuft Linux. Im Linux-Kernel ist Neo per Standard enthalten, d.h. es wird kein zusätzlicher Treiber benötigt. Auf der Arbeit habe ich unter Windows den portablen Treiber per Autostart eingebunden.

Wie schwierig ist Neo denn zu erlernen? Die Webseite von Neo gibt an, dass man zwischen 25 und 100 Stunden Zeit einplanen muss. Ich habe einen Zeitpunkt gewählt, als ich beruflich gerade an der Fertigstellung einer Firmware beschäftigt war. In dieser Phase musste ich nicht so viel tippen. So litt meine Produktivität nicht zu sehr durch mein anfänglich sehr langsames Tippen. So bin ich vorgegangen:

  1. Günstigen Zeitpunkt wählen, so dass möglichst in den nächsten ein bis zwei Wochen nicht die Welt untergeht, wenn das Tippen sehr langsam läuft.
  2. Mit dieser Einführung das Neo-Tastaturlayout kennenlernen. Hier lernt man per Eselsbrücken die Position aller Tasten auswendig. Das ist echt gut gemacht, denn nach einer halben Stunde wusste ich bereits die Position aller Buchstaben auswendig. Dabei sollte man gleich auf die korrekte Grundstellung der Hände achten und die Tasten möglichst blind, d.h. ohne Blick auf die Tastatur auffinden können. Mir kam hier sehr entgegen, dass meine Tastatur unbeschriftet ist.
  3. Mit einem Trainingsprogramm erste Lektionen durcharbeiten. Dabei möglichst mehrmals täglich je ein paar Minuten üben. Für das Gehirn ist der Trainingseffekt besser, wenn man mehrmals kurz als einmal länger übt.
  4. Spätestens nach drei oder vier Tagen sollte man alle verwendeten Tastaturen konsequent auf Neo umstellen und vorerst nicht mehr zurück zum bisherigen Layout gehen. Auch wenn es plötzlich unbequem und mühsam ist, weil eine kurze Email zu schreiben minutenlang dauert. Auch wenn der Chef neben einem steht und schell etwas wissen möchte. :BIGGRIN: Parallel weiterhin möglichst mehrmals täglich Lektionen mit dem Trainingsprogramm durchführen.

Als Trainingsprogramm habe ich Tipp10 ausgewählt. Es hat den erheblichen Vorteil, dass es das Neo-Layout nativ unterstützt und angepasste Übungen bietet. Schließlich stehen, etwa um zuerst mit der Grundreihe zu beginnen, ganz andere Buchstaben für die ersten Wörter zur Verfügung, als dies bei anderen Layouts der Fall wäre. Neo ist hier im Vorteil, weil mit der Grundreihe bereits sehr viele Wörter und sogar Sätze geschrieben werden können, während man mit Qwertz auf der Grundreihe kaum sinnvolle Wörter bilden kann. Darüber hinaus ist das Programm schön aufgebaut, bietet sinnvolle Lernschritte und eine umfangreiche Statistik, um den eigenen Fortschritt auszuwerten.
(Im Screenshot ist allerdings Qwertz eingestellt.)


Bildquelle: https://www.tipp10.com

Meine Lernkurve

So detailliert habe ich es nicht mehr vorliegen, aber ich kann grob meinen Fortschritt skizzieren:

  • Juni 2013: Ich habe bewusst an einem Freitag begonnen das Layout zu lernen und über das Wochenende möglichst viel trainiert. Am folgenden Montag habe ich meine Tastaturen, auch auf der Arbeit, auf Neo umgestellt. Zu dem Zeitpunkt kannte ich zumindest die Lage aller Buchstabentasten auswendig und konnte extrem langsam schreiben.
  • nach einer Woche: Hier war ich zwar immer noch langsam, etwa einen Anschlag pro Sekunde, aber ich war schon nicht mehr so verloren mit der Sache. Ganz am Anfang ist die Hürde hoch, weil man nicht spontan etwas schreiben kann und hohe Konzentration aufbringen muss. Um meine Umstellung möglichst schmerzarm zu gestalten, habe ich einen Zeitpunkt gewählt, wo ich auf der Arbeit eher wenig tippen musste, während ich Zuhause aber lange Texte geschrieben habe, z.B. die Aufbaudokumentation zu meiner Wörteruhr.
  • nach insgesamt zwei Wochen: Ab hier war es definitiv kein Hindernis mehr im Alltag. Zwar war ich immer noch nicht auf einem Tempo, was alltagstauglich ist, aber so etwas dauert eben und erfordert Geduld. Häufig verwendete Bigramme, z.B. „ch“, „ei“, „ng“ usw. liefen bereits automatisiert ab, sozusagen aus dem Handgedächtnis. Man denkt bereits nicht mehr buchstabenweise, sondern eher in Silben oder kleinen Buchstabengruppen.
  • nach einem Monat: Spätestens hier war ich mit Neo flüssig unterwegs. Die Handbewegungen wurden langsam kleiner. Das Tempo und die Fehlerrate ließen sich aber noch verbessern. Etwa hier hatte ich das Tempo erreicht, mit dem ich zuvor Qwertz schrieb, was allerdings nicht so unglaublich hoch war, da ich unter Qwertz nie 10-Finger-Schreiben lernte. Mittlerweile kannte ich auch alle Sonderzeichen unter Neo, sowie erweiterte Funktionen und konnte sie sinnvoll einsetzen. Gerade beim Programmieren ist man sehr viel eleganter unterwegs, weil alle Sonderzeichen ohne Verrenkungen mitten im Buchstabenbereich eingebbar sind.
  • nach zwei Monaten: Ich hatte mein Qwertz-Tippen von früher überholt.

Und habe ich Qwertz verlernt? Nein. Nach 5 Jahren kann ich sagen, dass ich mit Qwertz immer noch ungefähr so schreibe, wie zuvor, obwohl ich es nahezu nie verwende. Das Gehirn schaltet bei Bedarf blitzschnell um, so als ob man eine andere Sprache anwendet. Ich kann ganz natürlich und ohne mich darauf zu konzentrieren an fremden PCs mit Qwertz-Layout Eingaben machen – allerdings bin ich dann wieder bei meiner 6-Finger-Fuschtechnik, weil ich es mit Qwertz nie besser gelernt habe. Andere Neo-Schreiber berichteten teilweise aber auch von langsamem Verlernen des Qwertz-Layouts.

Ergonomische Tastatur

Neben der Umstellung des Layouts gehörte für mich auch noch die Umstellung der Tastatur dazu. Es ist mir unbegreiflich, wieso Standardtastaturen derart unergonomisch und ineffizient gestaltet sind. Die Tastenanordnung und das Design stammen aus dem 19. Jahrhundert, also weit bevor es Computer gab. Und dennoch werden die bekannten Schwächen nicht angegangen. Neben der unergonomischen Verteilung der Buchstaben, die mit Neo und anderen ergonomischen Layouts ja behoben wird, gibt es weitere Nachteile an Standardtastaturen. Ein Nachteil sind die seitlich versetzten Tastenreihen. Dieses Relikt stammt aus den Zeiten der Schreibmaschinen, weil die Hebel unter den Tasten aus mechanischen Gründen nebeneinander angeordnet sein mussten. Im folgenden Bild ist das gut sichtbar.


Bildquelle: https://de.wikipedia.org

Dieser Tastenversatz ist in der deutschen Norm DIN 2137-2:2012-06 sogar genau vorgegeben.

Bildquelle: https://de.wikipedia.org

Der Versatz führt dazu, dass insbesondere die linke Hand nach links verdreht werden muss, um in den geneigten Tastenspalten schreiben zu können. Und wie ich oben bereits erwähnte, ist zudem die linke Hand im Qwertz-Layout noch stärker gefordert als die rechte. Auf der rechten Seite im Bild sieht man dagegen eine Tastatur mit Matrixlayout, d.h. die Spalten sind genau vertikal und ohne Versatz. Es gibt mittlerweile einige Tastaturen mit dieser Anordnung, wenngleich auch die Verbreitung sehr gering ist. Für mein Empfinden ist das eine erhebliche Verbesserung und sollte gleich mal die DIN ersetzen.

Bildquelle: https://web.archive.org/web/20130812191507/https://trulyergonomic.com

Viele Tastaturen sind auch in weiteren Hinsichten unergonomisch, was aber vom jeweiligen Tastaturmodell abhängt. Das folgende Bild liefert drei Beispiele:

  1. Gradlinige Tastaturen erfordern ein ständiges Knicken der Handgelenke. Darum ist eine geteilte Tastatur mit in einem Winkel angeordneten Tastenbereichen für die beiden Hände sinnvoll.
  2. Bei vielen Tastaturen liegt der Handballen zu tief auf und führt zu einem Abknicken der Handgelenke nach oben. Dies belastet die Sehnen verstärkt und hemmt die Durchblutung der Hände. Das grüne Bild zeigt meines Erachtens aber auch keine gute Lösung, denn die Arme sollten ebenfalls gestützt werden. Am Besten sind Handballenauflagen, nicht zu hart und entweder in die Tastatur integriert oder separat.
  3. Sehr gut ist auch eine vertikale Ausdrehung der Hände, was durch eine in der Mitte erhöhte Tastatur erreicht wird.

Bildquelle: https://www.repetitive-strain-injury.de

Ich habe mich einige Zeit umgeschaut und mich für das Truly Ergonomic Computer Keyboard (kurz TECK) 209BL von Truly Ergonomic Ltd. aus Kanada entschieden. Das Modell gibt es heute nicht mehr, aber der Hersteller bietet Nachfolgemodelle an. Ich habe damals 180 € plus Zoll bezahlt. Das mag auf den ersten Blick viel Geld sein. Wenn man aber an gesundheitliche Folgen unergonomischer Eingabegeräte denkt, die bei mir bereits beginnend einsetzten, ist das vergleichsweise wenig.

Folgende Kriterien hatte ich bei der Auswahl:

  • Mechanische Tasten: check, echte Cherry MX brown Switches (keine rubber domes, wie in den meisten preiswerten Bürotastaturen)
  • Matrixlayout: check
  • Ausgedrehte Buchstabenfelder für beide Hände, siehe Punkt 1 im Bild oberhalb: check
  • Handballenauflage, siehe Punkt 2 im Bild oberhalb: check (kann bei dieser Tastatur wahlweise auch demontiert werden)
  • Vertikale Ausdrehung durch mittige Erhöhung, siehe Punkt 3 im Bild oberhalb: nicht erfüllt
  • frei belegbar: check
  • ohne zusätzlichen Nummernblock (spart Platz und der Nummernblock ist in Neo ja bereits in Ebene 4 enthalten. Ein dadurch kürzerer Weg zur Maus ist auch ergonomisch.): check

Die Tastatur ist flach und erfüllt damit nicht die vertikale Ausdrehung durch eine mittige Erhöhung. Dennoch war diese Tastatur für mich der beste Kompromiss im Vergleich mit anderen ergonomischen Tastaturen.

Bildquelle: https://web.archive.org/web/20130812191507/https://trulyergonomic.com

Weil es diese Tastatur natürlich nicht mit einer Neo-Bedruckung gibt, habe ich sie mir lieber unbedruckt bestellt. Das hat sich beim Lernen des Layouts als nützlich erwiesen und im Grunde benötigt man keine Tastenbeschriftungen. Wer zur Tastatur guckt, arbeitet nicht ergonomisch ;)

Bildquelle: https://web.archive.org/web/20130812191507/https://trulyergonomic.com

Das Layout stellt man zwar im Betriebssystem ein, aber weil diese Tastatur frei belegbar ist, habe ich mir doch ein paar Änderungen konfiguriert. Z.B. habe ich die Shift-Tasten auf die Grundreihe gelegt, weil die Eingabe auf diese Art noch natürlicher ist. Meine Tastenbelegung habe ich in das folgende Bild geschrieben. Es ist allerdings nicht auf meine Tastatur aufgedruckt.

  • Shift habe ich auf die Grundreihe gelegt.
  • Enter und Backspace liegen mittig und sind toll zu erreichen.
  • Ctrl habe ich zusätzlich oben links platziert, weil Ctrl+X, +C und +V so noch leichter einhändig zu erreichen sind. Das geht zwar auch mit dem Ctrl unten links, allerdings muss man die Hand dafür etwas spreizen.

Fazit

Sowohl privat als auch auf der Arbeit schreibe ich mit der hier gezeigten Tastatur im Neo2-Tastaturlayout. Der Lernaufwand war kleiner, als vorher befürchtet. Ja, die erste Woche war hart, aber dann kam ich schon langsam zurecht.

Unter Qwertz und der vorherigen Standardtastatur bahnten sich bereits Nackenverspannungen und Reizungen der Arme an, die bei mir aber noch nicht erheblich waren. Sie sind seit der Umstellung komplett verschwunden. Das Tippen ist zudem viel ruhiger, d.h. die Hände springen weniger, weil die meisten Eingaben in der Mitte der Tastatur erfolgen. Und ich liebe es, alle wichtigen Sonderzeichen zum Programmieren direkt und komfortabel eingeben zu können. Meine Fehlerquote beim Tippen ist geringer als mit Qwertz und mein Tempo höher. Allerdings habe ich Qwertz nie mit 10-Fingern beherrscht, weshalb der Vergleich kein Beweis für Neo’s Vorteil ist. Profis sagen, dass man mit Neo nicht nennenswert schneller ist, es aber ergonomischer sei.

In diesem Splitscreen-Video wird das Tippen desselben Textes mit Qwertz und Neo gezeigt. Links ist Qwertz, rechts ist Neo. Der Schreiber in dem Video ist nicht besonders schnell, aber man kann besonders schön die weniger springenden Hände sehen. Besonders eindrucksvoll ist die Eingabe der Sonderzeichen und Ziffern ab 0:26.

 

Insofern kann ich jedem, der ohnehin gerne ein 10-Finger-Tippsystem erlernen will, empfehlen sich vorher mit ergonomischen Layouts auseinanderzusetzen. Es lohnt sich meines Erachtens sehr. Nach meiner Erfahrung verschwindet dadurch das bisher geübte Layout nicht und man kommt zur Not immer an fremden PCs zurecht.

Neben Neo ist auch das Truly Ergonomic Computer Keyboard eine Bereicherung. Meine Handgelenke liegen schön gerade. Die Handballenauflagen sind angenehm weich, in der richtigen Höhe und auch nach fünfeinhalb Jahren nicht nennenswert verschlissen. Mechanische Tasten möchte ich nicht mehr missen. Und die Konfigurierbarkeit der Tastatur ist ebenfalls sehr interessant. Die Konfiguration wird per USB in die Tastatur gespeichert, d.h. es wird kein spezieller Treiber benötigt. Die Tastatur liefert einfach die Keycodes, die man zuvor den jeweiligen Tasten zugeordnet hat.

Maus

Wo wir schon beim Thema Ergonomie sind: Auch eine ergonomische Maus habe ich privat und auf der Arbeit im Einsatz. Laut eines Physiotherapeuten, mit dem ich sprach, sind Mäuse dieser Bauart die besten ergonomischen Computermäuse. Nicht dagegen die überall als ergonomisch beworbenen Vertikalmäuse. Diese führen nämlich dazu, dass zwar das Handgelenk ausgedreht ist, aber man greifen muss, um die Maus zu führen. Der seitliche Klick benötigt stets einen Gegendruck des Daumens von der anderen Seite, also eine Greifbewegung. Die Hand ist dabei nicht entspannt und das kann zu neuen Beschwerden führen.

Hierbei handelt es sich um die HandShoe Mouse vom niederländische Hersteller Hippus. Es gibt sie in verschiedenen Größen als auch in Varianten für Links- und Rechtshänder, sowie kabelgebunden als auch kabellos. Detailliert will ich in diesem Artikel nicht darauf eingehen, aber verweise gerne auf dieses Review. Mit der Maus bin ich sehr zufrieden. Die Ergonomie ist klasse, die Hand liegt sehr entspannt und ausgedreht auf. In den ersten zwei oder drei Tagen ist man damit noch weniger präzise, weil die Maus bei der Feinpositionierung nicht fingergeführt wird, sondern stets aus dem Arm, was ja das Konzept ist. Das kompensiert man nach einigen Tagen aber und kann schließlich auch per Arm recht fein positionieren. Sondertasten hat die Maus nicht, benötige ich aber auch nicht. Und optisch passt sie auch noch prima zur o.g. Tastatur.

Bildquelle: https://handshoemouse.com

Auch interessant, aber von mir nicht erprobt, ist die AirO2bic Mouse, z.B. hier kaufen.

Disclaimer: Hinter diesem Artikel steht – wie bei meiner gesamten Webseite – keine gesponserte oder bezahlte Werbung. Die genannten Marken habe ich genannt, weil sie zum Thema passen oder ich von den Produkten überzeugt bin. Ich habe keine Gegenleistung erhalten.

Ich hoffe, die Informationen waren interessant für euch.

Lieben Gruß,
Emanuel

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