Lampe mit Weingläsern selbstgebaut

Für unser Wohnzimmer haben wir länger nach einer Hängelampe für den Couchbereich gesucht und sind schließlich fündig geworden: „The GLASS CLUSTER“, eine aus Schweden stammende Lampe der Designer Björn Stillefors, Jörgen Pudeck & Gunnar Cedervall. Schnell haben wir ein paar internationale und deutsche Distributoren angefragt und sind zum enttäuschenden Ergebnis gekommen, dass die Lampe einfach zu teuer ist. Etwa 375 € sollte sie ohne Gläser und ohne Porto kosten (z.B. hier, die 40-Gläser-Variante auswählen!). Der Preis ist sicher gerechtfertigt, aber für uns weitaus zu hoch. Also wäre die Lampensuche weitergegangen… aber dann beschloss ich, dass ich das auch selber hinbekommen müsste. Für einen Bruchteil des Preises, versteht sich.

Einleitung

Um es mir zu erleichtern, beschloss ich, die Lampe mit allen Maßen genau zu kopieren. Eine neue Konstruktion zu planen oder die originale zu verändern ist nämlich gar nicht so einfach. Die Gläser hängen in Ringen angeordnet ineinander versetzt. Man muss genau alle Abstände zwischen den Gläsern einplanen, Kollisionen vermeiden und zugleich im Auge behalten, dass die äußere Form auch was hergibt.

Eine Kopie anzufertigen ist dank des existierenden Datenblatts auch gar nicht schwer. Das Datenblatt und einige Fotos des Originals gibt es hier. Das Datenblatt führt drei Größenvarianten auf. Wir haben uns für die mittlere mit 40 Weingläsern entschieden.

Wenn man die Skizze auf Seite 5 des Datenblatts (nicht die auf Seite 2) auf DIN A4 ausdruckt, ergibt sich ganz zufällig (?) ein Maßstab von exakt 1:10, d.h. 1 cm auf dem Papier entspricht 10 cm in der Realität. Das ist natürlich extrem hilfreich, weil man alle unbemaßten Distanzen mit einem Lineal (fast) ohne umrechnen direkt ablesen kann.

Die Lampe hat 5 Etagen. Mittig sitzt ein großer Ring mit 50 cm Durchmesser, der 16 Gläser trägt und oben und unten je ein kleiner Ring mit 15,6 cm Durchmesser und je 4 Gläsern. Die Etagen 2 und 4 setzen sich aus je 4 Ringstücken zusammen, die je 2 Gläster tragen. Auf diesen Ebenen befinden sich also je 8 Gläser. Zusammengehalten wird das von 4 vertikalen halbringförmigen Trägern, von denen in der Skizze nur 2 angedeutet sind, weil die anderen beiden nach vorne und hinten in der Zeichenebene verlaufen.

Bildquelle: http://www.nasielsky.se

Planung

Ein Problem hatte ich noch: Die originale Lampe ist geschweißt. Das kann ich aber nicht und so gerne ich es lernen würde, es scheitert auch an einem Platz zum Schweißen. Meine winzige Werkstatt liegt zentral im Keller des Hauses, d.h. ist von Innenwänden umgeben und bietet keine Abzugsmöglichkeit für die beim Schweißen entstehenden Rauche.

Kurzum musste ich die Komponenten anders verbinden. Für mich blieben da nur Schrauben übrig.

Fertigung

Die Fertigung beginnt zuerst mit der Materialbeschaffung. Viel Material braucht man eigentlich gar nicht. Da ich alle Teile einzeln fertige und dann verschraube, brauche ich nur ein paar Aluminiumstangen. Ich habe mich teils für 10×3 mm Flachstangen und teils für Rundstangen mit 6 mm und 8 mm Durchmesser entschieden. Die originale Lampe besteht nur aus runden Stangen, aber die lassen sich schwieriger gegeneinander verschrauben. Hier im Foto sieht man die Aluminiumstangen an der Wand stehen. Es handelt sich um 2m-Längen.


Zuerst habe ich mit der Fertigung der 80 Haken für die 40 Weingläser begonnen, weil das erwartungsgemäß der schwierigste Teil war. Lange habe ich überlegt, wie ich die Haken optisch ansprechend und alle gleichaussehend fertigen kann. Entschieden habe ich mich dann dazu, sie aus 6 mm Rundstäben zu sägen und zu biegen. Das setzt einen gewissen Mindestbiegeradius voraus, aber das ist optisch sogar ganz hübsch und funktional kein Problem.

Mit dieser schnell zusammengekloppten Schablone (Führung und Anschlag) habe ich die Rundstäbe für die Haken alle gleichlang zugesägt.


Das Ding habe ich in einen Ständer für den Winkelschleifer eingespannt. Die 80 Rundstäbchen waren ruckzuck zugesägt.



Sehr viel Zeit hat mich die Konstruktion einer Biegevorrichtung gekostet. Obwohl die schließlich verwendete Konstruktion so einfach aussieht, muss ich gestehen, dass es sich um die 4. Biegevorrichtung handelt, die ich dafür gefertigt habe. Die drei Vorgänger waren völlig anders beschaffen und hatten allesamt Schwachstellen, an denen sie aufgrund der recht hohen Kräfte zerrissen sind.

Diese Konstruktion besteht aus einem gehärteten Stahlwinkel, dessen Außenradius ganz gut zum gewünschten Innenradius meiner Haken passte. Sprich, er bot sich an um meine Aluminiumrundstäbe darüberzubiegen. Diesen Winkel habe ich dann erstmal etwas zugebogen, also aus den 90° ca. 80° gemacht. Der Biegehebel muss nämlich ein bisschen weiter geführt werden können als 90°, damit die Haken nachher 90° erreichen. Diesen Winkel habe ich auf der Werkbank festgespannt. Mit einem U-Stahlprofil, einer Regalträgerschiene, habe ich den Hebel realisiert. Für die Drehachse kommen Schrauben und genügend starke Metallbleche zum Einsatz. Der Hebel ist nicht fest mit dem Biegewinkel verbunden. Er hängt einfach darunter und kann nicht herausfallen, da der etwas zugebogene Winkel nach unten hin dichter an die Werkbank heranragt. Außerdem befindet sich auf dem Biegewinkel noch ein Anschlag (Schraube mit Mutter), damit alle Rundstäbchen an der gleichen Stelle gebogen werden.


Ein Rundstäbchen wird bei hochgehaltenem Hebel bis zum Anschlag eingeschoben und dann mit einer Schraubzwinge befestigt.


Hier sieht man den Anschlag und das anliegende Rundstäbchen.


Dann den Hebel herunterdrücken und schon ergibt sich ein schön gleichmäßig gebogener Haken.


Hier sieht man den Vorgang im Video:

Da sind die Mistdinger… haben mich einige Nerven gekostet. :BEKLOPPT:


Schließlich musste ich die 160 Enden der 80 Winkel für die 40 Weingläser noch schön senkrecht schneiden, abschleifen und entgraten.

Im Nachhinein würde ich bei einem niemals vorkommenden zweiten Aufbau einer solchen Lampe erwägen, die Haken erst zu biegen und dann zu sägen. Das Biegen gelang nicht so exakt, dass alle Haken an beiden Schenkeln auf den Millimeter gleich lang sind. Den Anspruch hatte ich aber und musste daher nacharbeiten.


In die Haken habe ich dann an den langen Schenkeln Kernlöcher für M3-Gewinde gebohrt. Die Kernlöcher sind rund 16 mm tief. Hier muss man schon anständig schmieren, damit der Bohrer sich nicht festsetzt und abbricht.


Schließlich habe ich die Gewinde geschnitten. Macht man das von Hand bei 80 Winkeln, ist das bestimmt nicht sehr spaßig. Da die Gewinde aber in weiches Aluminium geschnitten werden sollen, habe ich den Akkuschrauber dafür verwendet. Der verfügt über eine Rutschkupplung, die bei minimaler Einstellung super ausreicht, um bei einer Blockade nachzugeben, bevor der Gewindeschneider abbricht. Das hat prima funktioniert. Auch hier muss wieder ein Schneidmittel verwendet werden.


Bevor ich die Haken mit Status „Fertig“ zur Seite legen konnte, mussten sie noch vom Schneidöl gereinigt werden.

Weiter geht’s mit den horizontalen Ringen. Zum Warmwerden habe ich mit dem großen 50 cm-Ring begonnen. Dazu habe ich meine selbstgebaute Biegevorrichtung für große Radien verwendet. Die habe ich ursprünglich auch extra für diese Lampe gebaut, jedoch zwischenzeitlich schon in anderen Projekten in meinem Blog verwendet und demonstriert.


Das Vorgehen ist daher auch schon bekannt: Das zu biegende Material, hier 10×3 mm Flachmaterial aus Aluminium, wird zwischen den Rollen hindurchgeschoben, sodass zunächst nur eine leichte Krümmung entsteht.


Anschließend wird der Rollenabstand in kleinen Schritten verringert und das Material immer wieder erneut hindurchgeschoben.


Da ist der Ring fertig gebogen. Die Biegevorrichtung funktioniert wirklich prima und die Krümmung ist sehr gleichmäßig.


Dann habe ich die Enden passend abgesägt, damit ich den Ring verschließen kann. Mit einem abgesägten Reststück habe ich im Schraubstock eine Verschlussstelle gepresst.


Dann habe ich ein Ende schräg angefeilt.


Unter der Tischbohrmaschine werden beide Enden übereinandergelegt und Löcher zum Verschrauben gebohrt. Da die Tischbohrmaschine nicht an der Werkbank festgeschraubt ist, konnte ich sie hier auf die Ecke schieben, damit für den Ring genügend Platz ist.


So sieht nun der Verschluss aus.


Man sieht schön, dass der Ring 50 cm lang wie breit ist.


Dann habe ich die Löcher für die Haken für 16 Gläser in diesen Ring gebohrt. Das sollte unbedingt nach dem Biegen gemacht werden, da der Ring im Bereich der Löcher weniger Material hat und dort stärker gebogen würde. Ich denke, mit nachträglichem Biegen würde man keinen Kreis, sondern eher ein (abgerundetes) Vieleck erzeugen. Die Lochabstände der Lochpaare habe ich übrigens so ermittelt, dass die Haken am äußeren Ende etwa 3 cm Abstand haben. Da die Haken ja nicht parallel vom Ring abstehen, müssen sie am Ring in einem entsprechend geringeren Abstand montiert sein. Bei den kleinen Ringen mit stärkerer Krümmung verlaufen die Hakenpaare in einem noch größeren Winkel zueinander, sodass sie mit noch kleinerem Abstand am Ring montiert werden müssen als beim großen Ring, damit sich auch hier außen ein Abstand von 3 cm ergibt.

Außerdem sind die Löcher für die Haken in allen Ringen vertikal nicht mittig, sondern um einen Millimeter nach oben aus der Mitte versetzt positioniert. Der Grund ist der, dass die Ringe 10 mm hoch sind und die Haken nur 6 mm Durchmesser haben. Bei mittiger Anordnung stünde der Ring über und unter dem Haken je 2 mm über. Die Stufe nach oben wollte ich aber verringern, damit die Gläser besser aufliegen.


Hier habe ich dann einen Ring mit 31,5 cm Durchmesser als Grundlage für die unterbrochenen Ringe gebogen.


Den habe ich entsprechend zersägt und hatte meine Teilringe.


Je Teilring zwei Lochpaare. Die Abstände der Lochpaare sind wieder so bestimmt, dass bei gegebener Krümmung die Haken außen 3 cm voneinander abstehen. Die Löcher für die Haken sind auch hier 1 mm aus der vertikalen Mitte versetzt. Die Befestigungslöcher in der Mitte sitzen – von Handfertigungstoleranzen abgesehen – aber wirklich mittig.


Und schließlich habe ich die kleinen Ringe mit 15,6 cm Durchmesser für die untere und obere Etage gebogen und bereits verschlossen. Hier stellte sich nun das Problem, wie ich die Lochpaare für die Haken von innen senken sollte, da man mit keinem Werkzeug senkrecht an die Löcher herankam, wie man im folgenden Foto sieht. Würde ich so wie dort gezeigt senken, wären die Senkungen ziemlich schief.


Mit ist dann ein Metallbaukasten aus meiner Kindheit in den Sinn gekommen.


Schnell habe ich daraus ein Winkelgetriebe gebaut und schon konnte ich die Löcher senkrecht senken.


Und hier sind nun alle Komponenten für die horizontalen Ringe der Lampe zu sehen.


Nun kann ich mich dem vertikalen Aufbau widmen. Hier kommt Rundmaterial mit 8 mm Durchmesser zum Einsatz. Auch das kann in meiner Biegevorrichtung aufgewickelt werden. :KLATSCHEN:


Wieder schrittweise den Biegeradius verringern…


… bis in etwa 30 cm Durchmesser erreicht sind.


Daraus habe ich dann die 4 in der Lampe vertikal verlaufenden Halbringe hergestellt. Naja, es sind genau genommen keine Halbringe. Die Bogenlänge habe ich über die Skizze aus dem Datenblatt abgeschätzt. Demnach sollen diese vertikalen Träger auf mittlerer Höhe, also der Höhe des 50 cm-Rings, einen Abstand von 37 cm haben. Oben und unten enden sie aber an den 15,6 cm-Ringen. Die Differenz kann man bilden und darüber die Bogenlänge berechnen oder messen. Die Halbringe sind an den Enden schräg abgesägt, damit sie an die horizontalen Ringe angeschraubt werden können. Man sieht das im Foto gut an dem Halbring, der am Lineal anliegt.


In die Enden habe ich zur Befestigung wieder Kernlöcher gebohrt und dann Gewinde geschnitten. Die Löcher habe ich möglichst weit nach innen versetzt, damit man möglichst tief bohren kann, ohne an der Außenseite durchzubrechen. Die Löcher stehen senkrecht zur Schnittfläche.


Wie eben gesagt, ist die vertikale Konstruktion nur 37 cm breit, der mittlere Ring aber 50 cm. Die Differenz müssen kleine Träger ausgleichen, die ich hier aus 8 mm Rundstab fertige. Da ein Rundstab mit seinem Ende seitlich auf einen anderen Rundstab gesetzt werden soll, muss er rund angeschnitten werden. Da habe ich mir gedacht, dass das wohl am saubersten mit einem gebohrten Loch geht. Ich habe also den 8 mm-Stab mit erst kleinen und schließlich einem 7,5 mm Bohrer aufgebohrt und dann am Loch getrennt.


Das ergab recht sauber gerundete Schnittkanten, die gut auf die Rundstäbe passen. Ein Stab ist im Foto zur Demonstration an einen anderen angelegt.


Die kleinen Träger werden mittig an die eben gefertigten Rundmaterialhalbringe geschraubt.




Mit der Tischbohrmaschine auf der Ecke der Werkbank habe ich dann dem 50 cm-Ring noch 4 weitere Löcher für die Träger hinzugefügt.


Dann habe ich die 4 vertikalen Halbringe noch angeschnitten und mit Gewinden versehen, um die horizontalen Teilringe der Etage 2 und 4 anzubringen. Diese Einschnitte habe ich lediglich mit Schlüsselfeilen gefertigt.

Hier sind bereits die Befestigungen gebohrt und mit Gewinden versehen.


Diese Teilringe passen da genau rein. Obwohl sie nur mit einer Schraube montiert werden, sind sie bei sauberer Fertigung absolut gegen Verdrehen blockiert.


So sieht es nun aus. Man beachte, dass die Paarlöcher für die Haken je 1 mm aus der Mitte nach oben versetzt sind. Die Teilringe sind hier so montiert, dass die rechte Bildseite die spätere Oberseite darstellt.



Als nächstes widme ich mich der Aufhängung. Wichtig ist, dass die Aufhängung der Lampe starr ist, d.h. kein flexibler Draht, Strick oder eine Kette. Hier muss ein Rohr zum Einsatz kommen, welches starr mit dem Lampenkörper verbunden ist. Der Grund ist der, dass die Lampe bei ungleichmäßiger Beladung mit Weingläsern nicht kippen darf. Man kann die Lampe natürlich auch an mindestens 3 flexiblen Aufhängungen befestigen, z.B. 3 Drahtseile, allerdings ist die Aufhängung dann für meinen Geschmack optisch zu präsent.

Darum habe ich einen Moment überlegt und schließlich in dem oben genannten Metallbaukasten, den ich gelegentlich für meine Basteleien ausschlachte, diesen Flansch aus Stahl gefunden. Die Aufnahme in der Mitte habe ich von außen abgedreht, bis der Flansch sich in ein Stahlrohr mit 12 mm Innendurchmesser stecken lässt. Da ich so etwas tolles wie eine Drehbank nicht habe, habe ich den Flansch in die Bohrmaschine eingespannt und ihn im drehenden Zustand  mit der Feile bearbeitet, bis der Außendurchmesser passte. Zudem habe ich den Flansch von innen aufgebohrt, damit die Stromleitungen hindurchgeführt werden können. Die seitlichen Gewinde sind nun natürlich deutlich schwächer, da sie nur noch rund 1,5 Gewindegänge haben. Allerdings sind die Zugkräfte der Lampe auch quer zum Gewinde, weshalb das ausreichen sollte, die Lampe an diesen beiden Gewinden aufzuhängen. Das geschätzte Gesamtgewicht mit Gläsern beträgt rund 10 kg.


Die Stromleitungen passen durch den Flansch hindurch.


Das Stahlrohr habe ich seitlich angebohrt, um es mit dem Flansch verbinden zu können.


Da der Flansch über 4 Seiten verbunden wird, habe ich ihn noch ein wenig zugesägt. Dadurch verliert er die Optik eines Fertigteils, insbesondere weil man sonst unbenutzte Löcher gesehen hätte.


Diese Teile habe ich aus 8 mm Rundmaterial aus Aluminium gefertigt. Sie werden zu einem Kreuz in dem oberen kleinen Ring aufgestellt und verbinden den Ring mit dem Flansch. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass 2 der Teile kürzer sind als die anderen beiden. Der Grund ist der, dass diese Teile den seitlichen Schrauben im Flansch genau gegenüberstehen und entsprechend Platz für die Schraubenköpfe einräumen müssen. Das sieht man gleich auf den Montagefotos. Zudem verhindern diese Teile, dass sich die seitlichen Schrauben aus dem Flansch lösen könnten.


Am oberen Ende – hier im Bild rechts – habe ich einen Schäkel angebracht, da ab dieser Höhe eine Kette zum Einsatz kommt. Dadurch ist die Lampe dann höhenverstellbar.



Der Schraubbolzen des Schäkels ist dünn genug, dass die Stromleitungen im Rohr an ihm vorbeilaufen können. Der grüngelbe Schutzleiter wird an dem hier sichtbaren Loch im Stahlrohr aufgelegt. Das wird weiter unten beim Anschluss der Elektrik gezeigt.


Montage

Als nächstes folgte die Montage. Für die Haken und einige andere Teile habe ich M3x12 Flachsenkkopfschrauben mit Schlitz verwendet (DIN 963-4,8#a verzinkt). Ich bin kein Freund von Kreuzschrauben und Inbus taugt bei M3 ebenfalls nicht. Die Haken müssen nämlich mit halbwegs Kraft festgeschraubt werden, damit sie sich nicht verdrehen. Die Gewinde sind tief genug und verkraften das. Auf Schlitzschrauben kann man die Kraft besser übertragen.

Die folgenden Fotos zeigen erst einen Überblick und anschließend einige Details.



Hier sieht man, wie der Bodenring mit den vertikalen Teilringen verbunden ist.


In den folgenden beiden Bildern ist die Aufhängung im Detail abgebildet.



Hier kann man die Befestigung der unterbrochenen Teilringe auf den Etagen 2 und 4 sehen.


Die Befestigung des großen Mittelrings über die Trägerelemente ist hier zu sehen.


Lackierung

Erst musste ich alle Teile der Lampe gründlich vom Schneidöl reinigen. Die gesamte Lampe habe ich dann mit Sprühfarbe in schwarz matt lackiert. Zunächst habe ich mangels besserer Möglichkeiten die Lampe in einem großen Karton grob gesprüht. Das habe ich in mehreren Gängen mit zwischenzeitlichen Trockenpausen gemacht und zwischenzeitlich die Lampe jedesmal in eine neue Position gebracht. Auf dem Foto sieht man noch den Nebel kurz nach einer Sprühaktion. Da der Raum sehr klein ist, habe ich mit einer Atemschutzmaske gearbeitet.


Für die feineren Sprüharbeiten habe ich die Lampe aufgehängt und mit hintergehaltenen Lappen horizontal gesprüht. Unten an der Lampe hängt die Kette, die ursprünglich verzinkt war und die ich ebenfalls schwarz lackiert habe. Leider habe ich keine Kette in der gewünschten Stärke gefunden, die von vorneherein schwarz ist.


Elektrischer Anschluss

Elektrische Spielereien gibt es hier nicht, wie ihr sie sonst von mir gewohnt seid. Es gibt lediglich eine Lampenfassung, die direkt mit den Leitungen an der Zimmerdecke verbunden wird. Die Fassung im Foto stammt von Reichelt mit der Bestellnummer FASSUNG E27-PESW.


In meiner Kabelrestekiste habe ich dieses Spiralkabel gefunden. Zwar kenne ich die Spezifikationen nicht, aber da die 3 Adern blau, braun und grüngelb sind, ist der Betrieb an 230 V höchstwahrscheinlich zulässig. Der Querschnitt dürfte nur ca. 0,5 mm² sein, aber das reicht für eine Lampe. Genaugenommen müsste die Lampe dann aber mit weniger als 16 A abgesichert werden, z.B. 10 A. Das Spiralkabel habe ich mit dem Kabel von der Lampenfassung verbunden.


Die Phasen und die Neutralleiter habe ich je mit einer Quetschhülse verbunden und mit Schrumpfschlauch isoliert. Schrumpfschlauch ist kein zulässiger Isolator für 230 V, aber in der Heimgebrauchpraxis dürfte es keine Probleme geben. Außerdem befindet sich diese Verbindung in dem Stahlrohr, welches geerdet ist. Für die Erdung habe ich den grüngelben Leiter mangels Quetschöse an eine entsprechende Lötöse angelötet und auf eine gute und flächige Verbindung geachtet.


Die Erdung ist hier ganz oben im Rohr angeschraubt. Man erkennt es im Foto ein wenig (Mutter, Zahnscheibe). Der Schwanz der Öse ragt in das Rohr hinein, die grüngelbe Ader wendet dann und wird wieder aus dem Rohr hinausgeführt.



Die beiden Leiter werden durch das Rohr hindurchgeschoben und in die Klemmkontakte der Fassung hineingedrückt. Das Kabel am oberen Rohrende kann mit dem schwarzen Mantel ebenfalls ein wenig in das Rohr geschoben werden, der Optik halber. Fertig ist die Aufhängung.


Eine Modifikation muss aber noch sein: Bei Ikea gibt es unter der Bezeichnung „Januari“ diverse Lampenfassungen, u.a. die im folgenden Foto abgebildete. Diese Fassung kostet 10 € und von ihr will ich den Blendschutz in meine Lampe einbauen. Die originale Lampe sieht ein nacktes Leuchtmittel vor, was auch einen etwas besseren Effekt mit den Gläsern ergibt. Jedoch ist das Lichtszenario im Raum dann nicht besonders schön. Das ungerichtete Licht lässt den Raum überall hell werden und das trübt die Gemütlichkeit. Hier muss ein Blendschutz her und zwar einer in einer hellen Farbe, damit die Gläser dennoch interessant angestrahlt werden, jedoch nicht zu viel Licht seitlich austritt. Das Licht soll hauptsächlich auf den unter der Lampe befindlichen Tisch gerichtet sein. Die 10 € für den Blendschutz sind zwar teuer, aber eine längere Suche im Internet ergab keine verwendbaren Alternativen, da die Maße des Blendschutzes durch die Lampe in relativ engen Grenzen vorgegeben waren.

Bildquelle: Ikea Deutschland

 

Impressionen

Und hier ist nun die fertige Weingläserlampe zu bestaunen. Mein eigener Glass Cluster.


So kahl sieht es sonst bei uns nicht aus, aber um die Privatsphäre meiner Familie zu wahren, habe ich für die Fotos die Bilder von der Wand abgehängt.


40 Weingläser sind nun in der Lampe untergebracht. Wir haben jedoch einige mehr beschafft, damit identische Gläser nachgefüllt werden können, wenn mal welche kaputt gehen. Zu beachten ist außerdem, dass die Gläser nicht allzu groß sein dürfen, da sonst die Gläser der Teilring-Etagen 2 und 4 kollidieren. Viel größer als 250 ml dürfen die Gläser nicht sein, natürlich abhängig von Stiellänge und Bauchigkeit. Aber das ist ok, die verwendeten Gläser sind weder winzig noch große Kelche.






In der Ansicht von unten sieht man deutlich die systematische Anordnung.


Die Lampe passt für unseren Geschmack gut ins Wohnzimmer und ist natürlich etwas besonderes. Hat ja nicht jeder.



Die Kosten sind natürlich vergleichsweise gering gegenüber dem Kauf der originalen Lampe. Hier eine Zusammenfassung der Kosten:

  • Rohmaterial (Aluminium Flach- und Rundstangen, Stahlrohr, Kette und Schäkel für Aufhängung, diverse Schrauben, Kleinkram, Verbrauchsmaterial): ca. 33 €
  • Sprühfarbe (wertig): 15 €
  • Lampenfassung: 2,40 €
  • Blendschutz: 10  €
  • Material für Werkzeuge, z.B. Biegevorrichtung für Haken: 5 €

Fazit: Für ca. 60 Euro (exkl. Gläser und Leuchtmittel) habe ich meine Weingläserlampe herstellen können. Dies steht direkt im Gegensatz zu den 375 €, die das Original kostet. Natürlich muss der Preis der kommerziellen Lampe höher sein, das steht außer Frage. Was aber beeindruckt ist, wie man sparen kann, wenn man etwas selber macht.

Dann bedanke ich mich wieder einmal für’s Lesen und freue mich über Lob&Kritik im Kommentarbereich unterhalb des Artikels.

Viele Grüße, euer Mov

9 Gedanken zu „Lampe mit Weingläsern selbstgebaut

  1. Hej, ich habe die Lampe in Original und mit Omas Bleikristallgläsern sieht sie noch viel besser aus! Das geschliffene Glas wirft tolle Schatten im Raum.

  2. Hallo!
    Sehr schöne Lampe – gute Arbeit.
    Ein Tipp wegen der angelaufenen Gläser:
    Je nachdem was das für Gläser sind, haben wir den Tipp im Bayer. Wald, bei einer dieser Glasmanufakturen bekommen, kurz nach Ende des Spülprogrammes (also zu Beginn des Trocknungsprogrammes), kurz die Türe aufzumachen und den „Dampf“ herauszulassen. In diesem Dampf ist irgendwas was sich dann beim Trocknen auf den Gläsern niederschlägt und nicht mehr wegzubekommen ist.
    Ist nur so ein Tipp – vielleicht ist es das ja….

    Grüsse

    Criss

  3. Wow, was für ein Projekt! Wie lange hast du denn für die Weingläserlampe gebraucht? Mir gefällt deine Anleitung wirklich gut, sie wäre auch ein toller Beitrag für unser Heimwerkerportal http://www.mach-mal.de. Ich würde mich freuen, wenn du mal vorbeischaust. Liebe Grüße, Maral von „Mach mal“

    • Wie lange ich gebraucht habe kann ich schwer schätzen. Von Anfang bis Ende sind locker 4 bis 5 Monate vergangen, aber ich hatte wenig Zeit zum bauen, habe parallel andere Projekte gemacht und unser zweites Kind ist auch noch in der Zeit geboren worden. Die effektive Bauzeit beträgt mit allem, also auch Planung, Einkauf, usw. vielleicht so 40 Stunden. Die Metallhaken sind mehr Fummelei als man denkt. Man kann sicher mit weniger Präzision oder mehr Fertigteilen noch deutlich Zeit einsparen. Aber mir ging es um den Spaß an der Sache.

  4. Chapeau für Deine Tricks und Tipps – Allein die Biegevorrichtungen und die Idee, wie Du die Innenrundungen an den Außenseiten der „Ausgleichsträger“ umgesetzt hast – da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen..

    Besonders im Dunklen sieht die Lampe sehr gut aus – Allerdings wirst Du da wohl häufig mit dem Staublappen ran müssen, oder?

    • Danke für das Lob.
      Wegen Staub wird sich zeigen, wie häufig eine Reinigung notwendig ist. Wenn man die Gläser alle 2 bis 3 Monate einmal in die Spülmaschine packt, müsste es eigentlich reichen. Das Lampengestell ist dann schnell mit einem feuchten Lappen abgewischt. Ich hoffe nur, dass es nicht viel öfter gereinigt werden muss. Inzwischen hängt die Lampe einen knappen Monat und es hält sich noch in Grenzen mit dem Staub. Die Gläser sind allerdings etwas trüb, weil ich die noch nie gespült habe. Die haben wir für die Lampe gekauft und direkt draufgehängt. Die waren schon etwas trüb. Hoffentlich werden sie nach dem Spülen klarer.
      War noch irgendetwas unverständlich? Ich habe überlegt, ob ich noch Maßskizzen dazu machen soll, aber eigentlich ist es auch nicht schwer, alle Infos aus dem Datenblatt zu ermitteln. Sonst noch Fragen? Bin mir da nie so sicher, ob ich zuviel laber oder zu knapp bin.

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